Friedensstifterschule
Frieden beginnt nicht irgendwo. Frieden beginnt bei uns.
Auf dem Schulhof. Im Klassenzimmer. Im Gespräch miteinander. In der Art, wie wir streiten und uns wieder versöhnen. Darin, wie wir mit Verschiedenheit umgehen, Verantwortung übernehmen und füreinander einstehen.
Seit dem 23. Juli 2026 ist die Evangelische Jakobusschule Karlsruhe Friedensstifterschule.
Darüber freuen wir uns sehr. Gleichzeitig verstehen wir diese Auszeichnung nicht als Ziel, das wir erreicht haben, sondern als Versprechen für die Zukunft: Wir wollen eine Schule sein, in der Frieden nicht nur Thema des Unterrichts ist, sondern gelernt, erlebt und gestaltet wird.
Frieden kann man lernen
Kinder und Jugendliche wachsen in einer Welt auf, in der sie täglich mit Konflikten, Krisen, Krieg, Ausgrenzung und gesellschaftlicher Polarisierung konfrontiert werden. Umso wichtiger ist für uns die Frage: Was können wir als Schule dazu beitragen, dass junge Menschen lernen, friedlich und verantwortlich mit sich selbst, mit anderen und mit unserer Welt umzugehen?
Friedensbildung bedeutet für uns deshalb weit mehr als die Beschäftigung mit Krieg und Frieden im Unterricht.
Es geht darum, zuzuhören und andere Perspektiven auszuhalten. Konflikte ohne Gewalt auszutragen. Ungerechtigkeit wahrzunehmen und nicht gleichgültig zu bleiben. Unterschiede anzuerkennen. Verantwortung zu übernehmen. Demokratie zu leben. Die Schöpfung zu bewahren. Und den Mut zu entwickeln, dort für andere einzustehen, wo Menschen ausgegrenzt, verletzt oder benachteiligt werden.
Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Frieden braucht Menschen, die ihn stiften.
Frieden beginnt im Kleinen
Als Friedensstifterschule möchten wir unseren Schülerinnen und Schülern immer wieder Möglichkeiten geben, genau das zu erfahren und einzuüben.
Unsere ausgebildeten Schülerstreitschlichter*innen helfen beispielsweise dabei, Konflikte selbstbestimmt und lösungsorientiert zu bearbeiten. In Klassenrat, Morgenkreis, Projekten, Gottesdiensten und im täglichen Zusammenleben schaffen wir Räume für Austausch, Verantwortung und Gemeinschaft.
Friedensbildung findet aber ebenso im Unterricht statt: wenn wir uns mit Menschenrechten und Demokratie beschäftigen, über soziale Gerechtigkeit diskutieren, andere Religionen und Kulturen kennenlernen, globale Zusammenhänge verstehen oder nach Wegen suchen, unsere Umwelt und die Schöpfung zu bewahren.
Auch unsere Partnerschulen und internationalen Kontakte öffnen den Blick über die eigene Lebenswelt hinaus. Begegnung kann Vorurteile abbauen, Neugier wecken und sichtbar machen, dass uns trotz unterschiedlicher Sprachen, Religionen und Lebensbedingungen vieles miteinander verbindet.
Vier Dimensionen des Friedens
Dabei orientieren wir uns an einem umfassenden Verständnis des gerechten Friedens. Friedensbildung betrifft für uns vier miteinander verbundene Bereiche:
Frieden mit der Gemeinschaft
Wie gehen wir miteinander um? Wie lösen wir Konflikte? Wie gelingt ein Zusammenleben, das von Respekt, Wertschätzung und gegenseitiger Anerkennung geprägt ist?
Frieden mit der Erde
Wie gehen wir mit unserer Umwelt, der Schöpfung und den begrenzten Ressourcen unserer Erde um?
Frieden in der Wirtschaft
Wie können wir soziale Ungerechtigkeit wahrnehmen, globale Zusammenhänge verstehen und uns für gerechtere Lebensbedingungen einsetzen?
Frieden zwischen den Völkern
Wie entstehen Konflikte – und wie können Verständigung, Dialog, Versöhnung und gewaltfreie Konfliktbearbeitung gelingen?
Damit wird Friedensbildung zu einer Aufgabe, die unsere gesamte Schulkultur betrifft.
Friedensstifterschule zu sein heißt, unterwegs zu bleiben
Wir wissen: Eine friedliche Schule ist keine Schule ohne Konflikte. Wo viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen, gehören unterschiedliche Meinungen, Interessen und Auseinandersetzungen dazu.
Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.
Deshalb wollen wir auch als Friedensstifterschule weiter lernen. Wir möchten Bewährtes stärken, neue Projekte entwickeln, unsere Schülerinnen und Schüler beteiligen, unser Kollegium fortbilden, mit Eltern und außerschulischen Partnern ins Gespräch kommen und Friedensbildung immer wieder neu in unseren Schulalltag übersetzen.
Als evangelische Schule orientieren wir uns dabei am christlichen Menschenbild und an der unveräußerlichen Würde jedes einzelnen Menschen. Unser Leitbild verpflichtet uns dazu, Verantwortung zu übernehmen und uns für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.
„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“
Matthäus 5,9
Friedensstifterschule zu sein bedeutet für uns deshalb nicht, behaupten zu können: Bei uns ist Frieden.
Es bedeutet, jeden Tag neu zu fragen:
Was können wir heute dazu beitragen, dass Frieden wächst?
Und dann damit anzufangen.
Umsetzungsbeispiele der Evangelischen Jakobusschule:
- wöchentliche Klassenratssitzungen
- regelmäßige Klassenkreise
- Morgen- und Abschlusskreise (Wochenlied, Spruch der Woche, Sternstunden)
- Nachhaltigkeitsprojekt
- Projekt "Soziales Engagement" (Jahrgang 7)
- Theaterprojekt (Jahrgang 8)
- Compassion Projekt (Jahrgang 8)
- Projekt "Zeig, was du kannst" (Jahrgang 9)
- Seminare zu Cyber-Mobbing
- Präventionsvorträge zu schülernahen Themen (z.B. Nutzung von digitalen Medien)
- Gottesdienste
- Andachten
- Lerncoaching
- uvm.