Eine Pädagogik vom Kinde hergedacht.
Orientierung an den kindlichen Bedürfnissen für eine individuelle Entwicklung und damit eine Entwicklung und Entfaltung des Soseins der jeweiligen Persönlichkeit des Kindes;

Ein Lernbegriff, der die einseitige intellektuelle Orientierung überwindet und die Kriterien der Aktivität, der Kreativität, der Selbstbestimmung, der Selbsttätigkeit, der Selbstverantwortung, der Selbstbildung und der Persönlichkeitsbildung miteinschließt;

Ein Lernbegriff unter der Prämisse des Begriffes der Entwicklung der Persönlichkeit und des inneren Bauplanes des Kindes;

Ein Lernort als Lebensgemeinschaft und als vorbereitete Umgebung, in der das Lernen nach den oben genannten Kriterien stattfinden kann;

Eine Lebensgemeinschaft, in der und durch die der Mensch zu seiner Persönlichkeit reifen kann.

Lehrerinnen und Lehrer, die dem Kind mit Respekt begegnen und dieses in seiner Persönlichkeit anerkennen, annehmen, führen und begleiten…

Die konkreten Auswirkungen der Reformpädagogik auf die Unterrichts- und Schulreform, lassen sich beispielhaft in der Betonung der Eigenaktivität des Kindes, in der Verwendung von Entwicklungsmaterialien, in der Einrichtung einer ästhetisch und intellektuell anregenden Lernumgebung, in der Strukturierung der Lernzeit nach einem rhythmisierten Wochenarbeitsplan und in der Öffnung der Schule gegenüber dem gesellschaftlichen Erfahrungsraum beschreiben. (vgl. auch Eichelberger, 2007)

 

Die evangelische Jakobus Gemeinschaftsschule hat viele reformpädagogische Elemente in ihrem Konzept vereint und das Kind ins Zentrum ihres Handels gestellt.

Célestin Freinet

Die Grundlagen der Freinet Pädagogik liegen in der Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit des Kindes. Nur ein freier Geist kann sich auch frei entwickeln.
Die Freinet-Pädagogik geht zurück auf den französischen Dorfschullehrer und Reformpädagogen Célestin Freinet (1896 – 1966). Freinet war durch einen Lungendurchschuss, den er sich im Ersten Weltkrieg zuzog, den Anforderungen des üblichen Unterrichts in der Schule nicht mehr gewachsen. Er suchte deshalb nach Alternativen in der Unterrichtspraxis, die ihn entlasten sollten. Folglich löste er die gewohnte Unterrichtsform auf und bot seinen Schülern Möglichkeiten zur Selbsttätigkeit. Unterstützt durch weitere Vertreter der Reformpädagogik (Hermann Lietz, Peter Petersen, Maria Montessori u.a.) und in Kooperation mit anderen französischen Lehrern entwickelte Freinet seit 1920 seine „Bewegung der modernen französischen Schule“ (école moderne). Diesen Namen sollte die Freinet-Bewegung fortan tragen.

Wie bei allen Vertretern der Reformpädagogik der 20er und 30er Jahre findet man auch bei Freinet die Hinwendung zum selbständigen Tätigsein der Kinder. Freinet unterscheidet zwischen „travail-jeu“, der Arbeit mit Spielcharakter und „jeu-travail“, dem Spiel mit Arbeitscharakter. Als Arbeit mit Spielcharakter sah Freinet alle möglichen Tätigkeiten im Alltag und im Leben der Kinder an, etwa das Fegen der Straße, das Töpfern einer Tasse oder das Malen eines Bildes. In all diesen Tätigkeiten verfolgt das Kind einen bestimmten Zweck. Spiele mit Arbeitscharakter sind alle übrigen spielerischen Betätigungen, bei denen nicht das Endprodukt der Zweck ist, sondern das Handeln selbst. Auch diese Spiele haben dem pädagogischen Ansatz Freinets zufolge aus der Sicht des Kindes etwas „Ernsthaftes“ an sich und sind mit Arbeit verwandt. Spiel und Arbeit werden somit in der Theorie der Freinet-Pädagogik miteinander verbunden. Das unterscheidet die Freinet-Pädagogik von anderen pädagogischen Ansätzen, die Spiel und Arbeit strikt auseinanderhalten. Selbstverständlich war Freinet kein Verfechter der Kinderarbeit, vielmehr wollte er Kindern die Gelegenheit bieten, sich durch ihre Tätigkeiten selbst zu verwirklichen, sich zu „erschaffen“.

Drei Entwicklungsrichtungen und vier Prinzipien

Die Freinet-Pädagogik lässt sich Lothar Klein zufolge zusammenfassend in einem Dreieck symbolisch darstellen, dessen drei Seiten möglichst gleich lang sein sollen. Die Größe des Dreiecks und die Länge der drei Seiten entsprechen dabei dem jeweiligen Entwicklungsstand des einzelnen Kindes. Folgende Entwicklungsrichtungen stehen im Vordergrund:

  1.  Selbständigkeit und Kompetenz – das Kind entdeckt in seinem Denken und Tun eine zunehmende Unabhängigkeit vom Erwachsenen, seine wachsende Selbständigkeit und Kompetenz.
  2. Produktivität und Selbsttätigkeit – das Kind entwickelt die wachsende Fähigkeit, seine eigenen Bedürfnisse handelnd zu befriedigen – es erwirbt Handlungsfähigkeit.
  3. Gemeinsamkeit und Partizipation – durch die Steigerung seiner Handlungsfähigkeit lernt das Kind in Gemeinschaft mit anderen zu handeln. Es erlebt Gemeinsamkeit und Partizipation und differenziert seine sozialen Verhaltensweisen aus. Das Kind versucht beständig sich entlang dieser drei Seiten zu entwickeln. Dabei muss es immer wieder ein Gleichgewicht der drei Seiten erreichen.

Der Rahmen, in dem das Entwicklungsdreieck wachsen soll – der Entwicklungsraum des Kindes – ist in der Freinet-Pädagogik durch vier Prinzipien bestimmt:

  1. Freiheit – der Freinet-Unterricht ist grundsätzlich so organisiert, dass alles frei zugänglich ist und auch ohne die Erlaubnis Erwachsener jederzeit benutzbar. Was, wie und woran Kinder lernen, ist im Wesentlichen abhängig von ihrer freien Wahl.
  2. Verantwortung – das Besondere der Freinet-Pädagogik ist, dass Kinder selbst die Verantwortung für ihren Lern- und Entwicklungsprozess übernehmen. Sie entscheiden selbst, was sie tun.
  3. Sinn – Sinn entsteht der Freinet-Pädagogik zufolge in der persönlichen Sinnerfüllung des Kindes. Erst in ihrem selbsttätigen Handeln und Forschen und nicht durch die Konfrontation mit Wert-, Ziel- und Moralvorstellungen der Erwachsenen entsteht, verändert und verfestigt sich Sinn.
  4. Bezug zum Leben – Sinn entsteht dort als leitendes Prinzip, wo sich Kinder nahe am Leben entwickeln können. Die Freinet-Pädagogik will so die Schule für das Leben der Kinder öffnen.

Peter Peterson

Pädagoge und Entwickler des Jenaplans in den 20er-Jahren, sieht die Schule als Lebensgemeinschaft. Erziehung ist für ihn keine reine Wissensvermittlung, erst im Zusammenleben wird der Mensch gebildet. In altersgemischten Gruppen lernen Kleine von Großen und Größere von Kleineren. Die Kinder lernen nach Petersen für das Leben und Gegenstand des Lernens ist das Leben selbst.
Das jahrgangsübergreifende Lernen gehört zum Grundkonzept der Jenaplan-Schule. Die Kinder lernen ohne Noten und ohne Schulbücher. In der Stillarbeit schreiben sie Geschichten, machen Mathe, Deutsch oder Projektarbeit. Mehrmals am Tag sitzen die Kinder im Kreis zusammen, präsentieren ihre Arbeit und sind gespannt auf die Kritik der anderen. Die Woche gibt den Rhythmus vor. Die Kinder setzen sich Ziele für die Arbeitswoche, und die gilt es zu schaffen.

Maria Montessori

Die Pädagogik, die Maria Montessori entwickelte, wird auch heute noch als eine alternative Form der Pädagogik angesehen. Sie steht im Kontrast mit konventionellen Lehrmethoden. Das Motto „Hilf mir, es selbst zu tun!“ beschreibt diesen Ansatz sehr gut. Das Kind steht an erster Stelle. Montessori sah jedes Kind als Individuum – einzigartig und als respektable Persönlichkeit. Ihr Hauptziel lag darin, Kinder zu einer Selbstständigkeit und zu einem Selbstvertrauen zu erziehen, die ihnen in ihrem späteren Leben von großem Vorteil sein sollte.

Montessori wollte die Lernprozesse der Kinder maximal fördern. Sie ging davon aus, dass jedes Kind anders und für sich in einem eigenen Rhythmus lernt. Basis für dieses Konzept ist, dass Kinder von Natur aus einen angeborenen Lerndrang haben. Sie möchten gern am Leben, auch an dem der Erwachsenen, teilhaben. Kinder lernen am besten, wenn sie motiviert werden. Ziel ist es, den Kindern die Freude am Lernen zu erhalten und zu fördern, denn ohne sie funktioniert das System nicht. Kinder ahmen die Erwachsenen nach. Daher sollten die Lehrenden die Kinder zuerst anleiten und dann sie ihre eigenen Erfahrungen machen lassen, in dem sie sich zurückziehen und wenn nötig beratend zu Seite stehen. Die Kinder lernen in erster Linie didaktisch, das bedeutet aus eigener Erfahrung. Dadurch verinnerlichen sie das Gelernte besser. Jedes einzelne Kind wird mit Achtung und Respekt behandelt. Dabei ist es wichtig, dass auch die Erwachsenen lernen, und zwar, sich auf das Kind samt dessen eigenem Tempo und dessen Bedürfnissen einzustellen und sie dementsprechend zu fördern
Ein Grundbaustein der Montessoripädagogik ist die Freiarbeit. Nicht die Erzieher oder Lehrer entscheiden, womit sich das Kind beschäftigt, sondern das Kind selbst. Dies führt dazu, dass die Kinder in einer an konventionellen Bildungseinrichtungen ungewohnt ruhigen Atmosphäre arbeiten. Denn die Kinder bestimmen ihren eigenen Rhythmus, sie entscheiden wie lang oder intensiv sie sich mit etwas beschäftigen möchten. Das bedeutet aber nicht, dass die Kinder „Narrenfreiheit“ haben. Sie müssen sich an Regeln und vor allem an Ordnung halten. Die Erzieher bringen in den richtigen Situationen sowie Anleitung als auch Konsequenz ein. Der Zweck liegt darin, Kindern Raum für freie Entscheidung und Entfaltung zu geben, in dem sie zur bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes lernen, woran sie auch Interesse zeigen

Das Montessorimaterial wurde von ihr entwickelt. Ihr Ziel war es selbst lernbeeinträchtigten Kindern das Lernen von grundlegendem schulischen Wissen zu ermöglichen. Dies war zu ihrer Zeit nicht üblich.
Maria Montessori erkannte bei Ihren Studien schnell, dass diese Kinder auch lernen können, sofern man ihnen entsprechendes Lernmaterial an die Hand gab. Im Laufe ihrer Beobachtungen stellte sie entsprechende Regeln für ihr Maria Montessori Material auf.

Andreas Müller

Bei Andreas Müller steht „Freude am Lernen, die ein Leben lang anhält“ im Mittelpunkt. Dabei hatte er den folgenden Leitsatz: „Relations and Questions are My Way to Succes.“

Relations: Es gibt kein Lernen ohne Beziehung. Dabei geht es um die Beziehung zu sich selbst. Das heißt, die Schüler haben Selbstvertrauen und akzeptieren sich selbst. Wer zufrieden mit sich selber ist, hat einen guten Ausgangspunkt für das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Aber es geht auch um die Beziehung zu anderen und zu den Dingen um sich herum. Die Beziehung zu anderen wird immer wichtiger in dieser Gesellschaft, zum Beispiel bei Teamarbeit oder Networking. Die Beziehung zu den Dingen bedeutet ein persönliches Verhältnis zu den Dingen, man muss sich für irgendwas interessieren, sonst ist es schwerer es sich zu merken.

Questions: Lernen heißt Fragen stellen. Man muss an sich und anderen Fragen stellen. Fragen stellen heißt, dass man neugierig ist, dass man an etwas interessiert ist. Fragen stellen ist ein Treibstoff. Heutzutage ist das Stellen von Fragen in der Schule eher unerwünscht. Wenn eine Frage gestellt wird, dann hat Derjenige die Erklärung nicht verstanden und scheint dumm zu sein. Er stört, da der Lehrer von seinem Programm abweichen muss. In der Schule muss eine Kultur entwickelt werden, in der das Stellen von Fragen normal ist und gefördert wird.
Zum Fragen stellen gehört auch das Reflektieren.

My Way: Das Lernen hat kein Endziel. Es ist ein Prozess, der immer weitergeht, es ist eine Reise. Diese Reise wird von den Schülern selbst bestimmt. Die Schüler steuern ihr Lernen selbst, selbstgesteuertes Lernen. Die Lehrer sollten die Schüler in diesem Prozess begleiten.

Succes: Erfolg sind nicht die Noten, es sind nur die Resultate. Nein, Erfolg ist das Gefühl, dass man es kann, dass man es geschafft hat. In der Psychologie wird es auch Selbstwirksamkeit genannt. Und wer Erfolg gespürt hat, wird so weitermachen, um noch mal Erfolg zu erfahren. Erfolg gibt Selbstvertrauen. Lernen ist ein ganzheitlicher Vorgang.